Online trifft offline – Ein persönlicher Eindruck

Am 11.03.2016 fand in Duisburg der Kongress „Online trifft offline“ statt. Das Frauennetzwerk Aachen organisierte eine gemeinsame Hin- und Rückfahrt, bei der sich auch eine Aandersfunkende anschloss. Dies ist der persönliche Bericht von ihren Eindrücken vom Kongress.

Der Kongress behandelte 6 verschiedenen Themenbereiche, zu denen zunächst im Plenum Impulsvorträge gehalten wurden und im zweiten Teil ein Fishbowl statt fand. Im Vorfeld des Kongresses sollte man sich für die Zeilnahme an einem dieser Fishbowls entscheiden. Meine Favoriten waren Kübra Gümüşay zum Thema „Twittern, bloggen und Co – Das Netz als Ort feministischer Aktion“ und Laura Gehlhaars zum Tema „Mit dem Netz zu mehr Inklusion – Mehr Inklusion im Netz!“. Meine Wahl fiel am Ende auf den Fishbowl von Kübra.

Im Netz gibt es eine Dokumentation des Kongresses.

Eröffnet wurde „Online trifft offline“ mit einer Rede von Barbara Steffens,  der Grünen „Emanzipationsministerin“ NRWs (der offizielle Titel lautet „Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen„, oder kürzer MGEPA NRW). Bemerkenswert fand ich, dass sie sehr interessiert an der Situation von trans Menschen wirkte und davon sprach, dass diese in unserer Gesellschaft besondere Diskriminierung erfahren, weswegen sie durch den von ihr eingeführten Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie besonders unterstützt werden.

Als danach gefragt wurde, welchen Background die Anwesenden haben, fiel es mir auf, dass sehr viele Gleichstellungsbeauftragte und weitere Menschen, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen, anwesend waren. Mich wunderte es so wenige Leute aus dem MINT-Bereich anzutreffen. Ich selbst bin neu im Kreise des Feminismus und merkte das auch bei dem Kongress. Es fielen viele Begriffe und Konzepte aus den Bereich der Sozialwissenschaften und Genderforschung, mit denen ich nicht viel anfangen konnte.

Ebenso neu war für mich auch die Erkenntniss, dass ich mehr offline bin, als ich gedacht habe. Obwohl ich mit Computern aufgewachsen bin, ist für mich die Nutzung insbesonderer der sozialen Medien keine Selbstverrständlichkeit und ich sehe da bei mir noch eine Menge wo ich dazu lernen möchte. Daher bot mir der Fishbowl mit Kübra auch einen guten Einstieg in die Nutzung dieser Medien. Es kamen in der Diskussion viele Fragen dazu auf, wie die „Online-Welt“ so funktioniert. Es wurden Ängste davor geäußert, online Fehler zu begehen. Dahingehend wurde der Unterschied der Generationen diskutiert: Die jüngere Generation konnte sich schon im Jugendalter im Internet austoben, Fehler begehen und daraus lernen, wodurch sie nun einen Erfahrungsschatz daran haben, wie man sich im Netz verhält. Als langjährige Aktive hat man bereits eine Biografie, mit der man für etwas steht – es ist eine ganz andere Ausgangslage, wenn man gerade erst damit beginnt, online aktiv zu werden.

Für mich stellte sich heraus, dass Twitter gar nicht so einfach ist – auf den ersten Blick erscheint es mir sehr unübersichtlich. Es wirkt auf mich wie eine Reizüberflutung aus der man erst einmal lernen muss zu filtern. Das Konzept von Twitter ist mir auch noch nicht so ganz eingeleuchtet. Mit 140 Zeichen pro Tweet frage ich mich, wie man damit eine Diskussion anregen soll. Allerdings funktioniert es anscheinend: So wurde in den Impulsvorträgen angesprochen, dass bestimmte Diskussionen wie die Debatte um Sexismus und das Sexualstrafrecht längst abgeebbt wäre, gäbe es Twitter nicht. Twitter-Aktionen (Hashtag genannt) wie #aufschrei, #ausnahmslos, #imzugpassiert, usw. sorgen dafür, dass die Diskussion in den Medien bleibt.

Durch die neuen sozialen Medien wird die Macht der alten Print-Medien angegriffen. Früher schrieb eine Autor*in etwas und es wurde oft publiziert, ohne dasss jemals ein Feedback zu dem Geschriebenen kam. Leser*innenbriefe wurden von der Redaktion selektiert. Es wurde also nur eine ausgewählte Sicht in den Medien präsentiert. Mit Twitter wird die Allgemeingültigkeit dieser Sicht hinterfragt und untergraben, da durch Twitter sichtbar wird, dass es auch andere Lebensrealitäten gibt. Dies führt zu einer Verschiebung von Macht. Die Macht durch Medien liegt nicht mehr bei einigen wenigen Verlagsbesitzer*innen und Chefredakteur*innen, sondern die Macht verteilt sich.

Für mich stelle „online trifft offline“ eine gute Mischung dar, um als Neuling einen Einblick in den Offline- und den Online-Feminismus zu bekommen.

online trifft offline 11.03.2016 (2)

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