Der neue Bonding Kalender- Ausdruck der Elite?

Es ist Vorlesungsbeginn. Gleich in der ersten Woche laufe ich in der Uni einem Stapel von Semesterplanern zum Mitnehmen über den Weg. Interessiert schaue ich näher hin: ah, der Bonding-Kalender, der jedes Jahr kostenlos an der RWTH verteilt wird.

Dieses Jahr stehen verschiedene Cover zur Auswahl. Unter den Covern befinden sich gleich zwei, auf denen sich leicht bekleidete Damen im Bikini in aufreizenden Posen räkeln – mit perfekt retuschiertem Hinterteil, welches durch das knappe Höschen kaum bedeckt wird. Na toll.

Sexistisches Bonding Cover 2

Sexistisches Bonding Cover 1

Ich suche nach einem Cover mit einem hübschen Kerl im knappen Höschen, doch was muss ich feststellen? Das gibt es nicht! Darüber bin ich nicht sehr erfreut, denn wenn es schon knapp bekleidete Menschen auf dem Cover geben muss, warum dann nicht Frauen UND Männer? Stattdessen hat Bonding sonst nur technische Geräte, eine zerbrochene Glühbirne und Architektur im Angebot – kurzum, Objekte. Wie passend: auch die Frauen wirken in diesen Posen sehr auf ihre dekorativen Eigenschaften reduziert, objektifiziert. Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, dass die Motive, die ich finde wohl über einen Coverwettbewerb im Maschboard bestimmt wurden – bis auf die der Frauen, die Bonding anscheinend eigenmächtig hinzugefügt hat. Danke, keine weiteren Fragen.

Sexistische kackscheiße Bonding real men styleEin Blick in den Semesterplaner verwandelt meinen Unmut in Wut. Da findet sich ganz weit hinten eine Seite mit dem „Real men style guide to fit“. Dort wird erklärt, wie die Business-Garderobe richtig sitzen sollte und wie Krawatten gebunden werden. Ist ja ganz praktisch. Schließlich soll die Bonding ja die Studierenden der RWTH irgendwie mit Unternehmen in Kontakt bringen und so den Einstieg in den Beruf erleichtern. So schön, so gut. ABER: Ich trage keine Männerklamotten. Vergeblich suche ich nun nach dem Buissiness Guide für den „Real women style guide to fit“. Natürlich: nix. Wie soll ich das verstehen? Hat die Bonding als Studi-Initiative nicht auf dem Schirm, dass ungefähr ein Viertel der Studierenden an der RWTH weiblich sind? Oder sollen die beiden Cover darauf hinweisen, wie sich nach Meinung der Redakteur*innen von bonding die Frauen zu kleiden haben? Ganz nebenbei frage ich mich, was denn ein Mann wäre, der nicht „real“ ist – fiktional etwa? Insgesamt hinterlässt dieser Semesterplaner bei mir ein negatives Gefühl.

Bei so vielen Ungereimtheiten fragt man sich auch, wer dahinter steckt. Auf der Teamseite findet man ein Foto des Teams – erstaunlicherweise sind hier auch ein paar Frauen zu sehen. War echt keiner in der Lage, auch einen Styleratgeber für Frauen im Business zu schreiben?

Als wir versuchen unter der im Planer angegeben Adresse (bonding.de/semesterplaner/umfrage) unser Feedback abzugeben, funktioniert der Link übrigens einfach nicht. Wie ein Blick auf die Homepage von Bonding Aachen zeigt, ist die Objektifizierung von Frauen auch schon in den letzten Jahren bei der Coverauswahl ein echter Renner gewesen.

Dass sie sich im Jahr 2016 noch als „Studenten“ statt „Studierende“ bezeichnen und geschlechtergerechte Sprache in den selbst gestalteten Texten ein Fremdbegriff zu sein scheint, wirkt vor diesem Hintergrund tatsächlich nicht einfach altbacken, sondern vor allem ehrlich: hier wird vor allem von Männern für Männer gearbeitet. In der Ressortbeschreibung von Bonding (in der Mitte des Hefts) ist beispielsweise nur von „dem Finanzer“, „dem Leiter des Marketing-Ressorts“, „dem EDVler“ die Rede. Die „Messeleitung“ stimmt mich zunächst froh, diese dürfen also anscheinend auch Frauen übernehmen – sie wird allerdings nach bloß zwei Sätzen dann aber wieder zum „Messeleiter“. Lediglich die von anderen Stellen wie z.B. dem RWTH Career Center gestalteten Seiten schaffen es, durchgehend auch Frauen und andere Geschlechter anzusprechen. Liebes Bonding: schneidet euch da doch mal eine Scheibe von ab.

 

Bonding Impressum

 

 

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2 Kommentare zu “Der neue Bonding Kalender- Ausdruck der Elite?

  1. Ist es wirklich notwendig um eine so einseitig negative Kritik zu schreiben, wenn es dabei um Arbeiten von Studierenden für Studierende handelt?

    Im großen und Ganzen ist das Sprachniveau: Alltagssprache. Somit finde ich diesen ‚Fehler‘ „Studierende“ mit „Studenten“ zu verwechseln durchaus zu verkraften.

    Die Möglichkeit eigene Motive einzuschicken besteht jedes Semester aufs neue, so können es eigene Motivwünsche durchaus auf das Cover des Semester Planers schaffen.

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    • Hallo Marcel,
      wir fokussieren uns in unserer „Aufreger“-Rubrik eben auf das, was uns stört; Dinge, die eine von uns oder uns bekannte Personen wirklich geärgert haben. Bonding ist eine sehr große Initiative, die extrem viele Studis erreicht, einen großen Einfluss hat und sich bemüht ein professionelles Image nach außen zu tragen. Darum finde ich es fair, hier keinen „Welpenschutz“ anzuwenden, sondern die Arbeit auch nach professionellen Maßstäben zu beurteilen. Zumal unsere Kritik ja keineswegs unfair oder gar persönlich beleidigend ist, sondern einfach konkret pointiert das benennt, was uns stört.

      In deiner Alltagssprache werden Frauen offenbar noch immer systematisch diskriminiert und eben sprachlich unsichtbar gemacht. Vermutlich kannst du als Mann gar nicht nachvollziehen, wie sich das für manche Frauen anfühlt. Entsprechend irrelevant ist es auch, dass du persönlich das zu verkraften findest. 😉 Sicherlich hätten wir auf den sprachlichen Aspekt alleine nicht hingewiesen, weil es wie du selbst sagst leider noch vielfach trauriger Alltag ist, an das generische Maskulinum zu glauben, obwohl Studien das längst widerlegt haben. Da uns andere Teile des Bonding-Kalenders aber haben zweifeln lassen, ob das Maskulinum auch nur generisch *gemeint war* – schließlich richtet sich wirklich alles geschlechterspezifische was wir gefunden haben wohl an heterosexuelle Männer – haben wir dies mit in unsere Kritik aufgenommen. Meine Alltagssprache sieht da übrigens anders aus und das ist gar nicht so schwer zu lernen – du kannst das auch, trau‘ dich! 😉

      Die Möglichkeit eigene Motive einzuschicken besteht, da hast du Recht, doch der Prozess wurde offenbar nicht fair geführt. Oder wie erklärst du es, dass beim diesjährigen Coverwettbewerb die knapp bekleideten Damen gar nicht vorkamen und dennoch auf die Cover gedruckt wurden? Die einzige Erklärung die ich mir vorstellen kann ist, dass sie von den (überwiegend männlichen) Entscheidern bei Bonding wohl extra noch hinzugefügt wurden – und das ist ganz klar Sexismus. Gegen den stellen wir uns hier und werden das auch weiterhin tun. Und am liebsten wären mir persönlich nicht ebenfalls sexuell objektifizierte Männerkörper, sondern dass jegliche Objektifizierung ein Ende hat. Lieber ein paar mehr der tollen neutralen Bilder vom Coverwettbewerb!

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