Gendersternchen

Wir verwenden in unseren Texten eine gendergerechte Sprache, um Menschen aller Geschlechter sichtbar zu machen. Andernorts wird meist das so genannte generische Maskulinum als vermeintlich neutral verwendet, aber nicht generisch bzw. geschlechtsneutral gedacht. Bei dieser oft trotzdem fälschlich als neutral bezeichneten Form wird vorwiegend an Männer gedacht. Die Folge ist eine begrenzte Wahrnehmung und ein verzerrtes Bild der Realität, in der Männer eine erhöhte Präsenz haben und eine gesellschaftliche Vorrangstellung reproduziert wird, wie verschiedene Studien zeigen.

„Wo ist die Fußnote?“

Vielleicht bist du auf unserer Seite über das Sternchen innerhalb oder hinter Wörtern, die Personen bezeichnen, gestolpert. Das Sternchen soll nicht wie in anderen Texten eine Fußnote markieren, aber die Irritation darüber ist durchaus gewollt: Wir wollen bestehende Stereotype nicht weiter zementieren,  sondern darauf hinweisen, dass es hier durch die Gesellschaft eigentlich eine Art Erläuterung geben müsste. Es ist unsere Art und Weise um unsere Texte gendergerecht zu gestalten, denn unseren Sprachgebrauch können wir flexibel so verwenden, dass er Dinge, die uns wichtig sind, versinnbildlicht. Es existieren verschiedene Formen einer gerechteren Schreibweise: geläufig sind zum Beispiel das sogenannte Binnen-I (z.B. „BäckerInnen“) oder die Gender-Gap (z.B. „Student_innen“). Wir haben uns für den Stern (wie in „Ärzt*innen“) entschieden, da wir diesen für am geeignetsten halten um auf die Vielfältigkeit von Geschlechtsidentitäten aufmerksam zu machen.

Es soll deutlich werden, dass alle Menschen einbezogen sind, auch diejenigen, die sich nicht in das zweigeschlechtliche System aus „Mann“ und „Frau“ einordnen können oder wollen. Dazu können zum Beispiel Intersexuelle oder nichtbinäre trans Personen (wie z.B. genderqueere Menschen) gehören. Der Stern wird wie das Binnen-I oder die Gendergap an der grammatikalisch maskulinen und femininen Endung eines Wortes eingesetzt.

Geschlecht ist ein Konstrukt

Außerdem kann der Stern auch hinter Wörtern wie „Männer“ oder „Frauen“ zu finden sein, was dann so aussieht: „Männer*“ oder „Frauen*“. Das machen wir, wenn wir darauf hinweisen wollen, dass “Frau” keine naturgegebene Kategorie ist, bei der völlig unmissverständlich wäre, was damit alles gemeint ist – sondern eben etwas gesellschaftlich Konstruiertes und dennoch nichts Schlüssiges. Genitalien haben mit Geschlecht beispielsweise nichts zu tun, denn trans Frauen sind Frauen und trans Männer sind Männer. Frauen können Hosen und Männer Röcke tragen ohne ihr Geschlecht zu verlieren, und auch Verhalten macht einen nicht zu einem Mitglied eines anderen Geschlechts. Gibt es das nach dem Dekonstruieren von Geschlechterstereotypen überhaupt noch eine Bedeutung dieser Kategorien? Fühlen sich Menschen einfach innerlich eines Geschlechtes zugehörig, oder ist auch das nur so, weil die Gesellschaft uns das von Kindesbeinen eintrichtert? Weil wir diese Fragen nicht beantworten können, kann das Sternchen so darauf hinweisen, dass die Kategorisierung in „Mann“ und „Frau“ eigentlich in der Gesellschaft nicht schlüssig und die Bedeutung schwammig ist.

Gesprochen werden die Sternchen übrigens genau wie die Gendergap einfach als kurze Sprechpause.

Mehr zu den Gründen und der Wichtigkeit der sprachlichen Sichtbarmachung findest du auf:

https://distels.wordpress.com/gendersternchen/

http://www.scilogs.de/sprachlog/frauen-natuerlich-ausgenommen/.

Quelle des Bildes: dyspraspie.tumblr.com

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Ein Kommentar zu “Gendersternchen

  1. Pingback: Beyond the Binary: Was ist Geschlecht? | aandersfunk

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