Regenbogentalk Allosexualitäten

Ich war letzte Nacht beim  Queerreferat Aachen zum zweiten Teil der Regenbogentalks: (Allo-)sexualitäten: Allen Sexualitäten, außer Asexualtität. Es gab was zum Lachen, was zum Naschen und was zum Knabbern. Intellektuell, natürlich! 😉

Intellektuell?… oder wie nennt man diese Anziehung, die man zu einer coolen, queeren Veranstaltung verspürt? Platonisch? Eventuell romantisch? Spielt da für manche eine sinnliche oder sexuelle Anziehung (zu den Teilnehmenden) eine Rolle bei der Entschiedung vorbeizuschauen? Wie ist diese Anziehung im Vergleich zu der, einen Porno zu schauen? Ein Candlelight-Dinner zu haben? Was findest du an Gandhi anziehend, was an sich küssenden Männern? Was ist ästhetischer?

Bei dieser Einstiegsdiskussion über die verschiedenen Formen von Anziehung stellten wir nicht nur fest, dass wir die gleichen Dinge sehr unterschiedlich in diese Anziehungskategorien einordnen. Auch haben wir sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie wir die Anziehungen jeweils beschreiben und was wir damit verbinden. Je länger wir diskutierten, desto mehr dekonstruierten wir die Begriffe. Und so sollte es den Rest des Abends weitergehen.

In einem zweiten Schritt bildeten wir Paare aus Menschen mit vielfältigsten geschlechtlichen Identitäten und suchten Begriffe, wie eine solche Konstellation bzw. ein solches Begehren genannt wird. Während bei „Mann“ und „Mann“ das Wort „schwul“ noch alle kannten, so lernten wir auch seltene Begriffe wie „scoliosexuell“, was das spezifische Begehren auf Menschen mit nichtbinärer Geschlechtsidentität meint.
Auch hier stellten wir schnell fest, dass wir oftmals unterschiedlicher Meinung waren, was ein Begriff bedeutete. Kann Mann* sich als schwul bezeichnen, wenn er nicht homosexuell ist, aber sich der schwulen Gemeinschaft zugehörig fühlt? Wie nennt man das, wenn man das auch nicht ist, aber einen klischeehaft ’schwulen Touch‘ im Verhalten zeigt? Oder wenn ein Mann andere Männer sexuell anziehend findet, aber ’schwul‘ mit all den angehafteten Klischees nicht als seine Identität empfindet? Homo! Wenn du dich zu Männern und Frauen hingezogen fühlst, aber auch zu androgynen, trans*- oder inter* oder egal-was- Menschen, dir aber das Geschlecht durchaus nicht egal ist, sondern einen Teil deiner Anziehung ausmacht, ist das dann noch pansexuell? Oder nennt man das Omnisexuell? Ist Bisexuell auf Männer* und Frauen* lieben bezogen, oder auf das eigene und *alle* anderen Geschlechter? Welche Theorien über sexuelle Identität stehen hinter diesen Begriffen? Plötzlich schien alles was wir zu wissen meinten aufgelöst und die Erkenntnis blieb, dass man Menschen fragen muss, was sie mit dem Label für ihre sexuelle Identität und Orientierung individuell meinen. Bildung über die verschiedenen Kategorien ist trotzdem wichtig, um Diskriminierung zu vermeiden und eine gemeinsame Sprache zu haben, mit der man sich über diese Dinge austauschen kann.

Durch den Theorieteil konnten auch die nicht- oder weniger Vorgebildeten mitreden, die Vielfältigkeit der Gruppe und die Interaktiven Übungen bereicherten selbst die Belesensten noch und all das in einer herzlichen und offenen Atmosphäre. Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung! 🙂 Ein Fettes Danke an Sebastian Schaub und Leo Haufs! Ich freue mich schon auf die nächsten Teile dieser tollen Reihe!

Einen kleinen Wehmutstropfen gibt es trotzdem: Bei der Diskussion zu den Arten von Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung kam von jemandem die Beschwerde auf, heutzutage wären ja alle zu empfindlich geworden. Dies sollte aus zwei Gründen nicht unkommentiert bleiben: Erstens: es ist wichtig, dass solche queeren Räume, die gegen Diskriminierung kämpfen, ein sicherer Ort für alle sind und niemand sich schämen muss über etwas zu sprechen, was einen bedrückt. Egal, wie klein. Zweitens: Es ist auch einfach nicht wahr! Wenn es so wirkt, dann liegt das daran, dass heute die Menschen ihre Stimme erheben um sich dazu zu äußern. Jede Person hat aufgrund persönlicher Erfahrungen eigene Grenzen, die es zu respektieren gilt, egal wo diese liegen. Wenn man sie aus Versehen durch Unwissenheit überschreitet, muss man sich entschuldigen. Es gibt eine einzige feministische Flirtregel, die man sich im Übrigen sehr leicht merken kann, und die lautet: Sei kein Arschloch.

P.S.:Ob Demisexualität zu Allosexualitäten dazugehört, waren wir uns nicht einig 😉

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