Cordelia Fine: die Geschlechterlüge

Die Wissenschaft hat doch nicht bewiesen, dass Männer und Frauen anders denken! :O

In den allermeisten Gespraechen, die ich über „Geschlecht“ führe, sagt jemand so etwas wie “Männer können halt besser Mathe- natürlich nur im Schnitt” oder “Wir brauchen halt eine Quote, damit auch die weiblichen Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen vertreten sind” oder “Jungs interessieren sich halt mehr für Technik und Mädchen mehr für Puppen”. Damit ist dann meistens gemeint, dass es irgendwelche naturgegebenen (kognitiven) Eigenschaften gibt, die Frauen von Männern unterscheiden. Häufig folgt auf solche Aussagen “Das ist doch schon längst wissenschaftlich bewiesen”.

Das ist für mich immer total frustrierend. Denn eigentlich ist da doch gar nichts “bewiesen”. Man könnte sich mal fragen, was die Wissenschaft überhaupt beweisen oder feststellen kann- je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr Fragen kommen auf. Wir wissen doch so gut wie gar nicht wie das menschliche Gehirn funktioniert. Wir haben höchstens ein paar Vermutungen. Und eine (grobe) Ahnung von der Funktionsweise eines Wurmgehirns.

Trotzdem werden ständig Artikel geschrieben, die von wissenschaftlichen Ergebnissen berichten, die angeblich solche Unterschiede belegen. Dabei wird ohne Weiteres von Fliege zu Mensch gesprungen, soziales Geschlecht mit genetischem Geschlecht gleichgesetzt, es werden Wissenschaftler*innnen zitiert, die feststellen, dass auf irgendeinem “brain scan” bei dem Durchschnitt der Männer an unterschiedlichen Stellen bunte Farben leuchten als bei den Frauen, um daraus (ohne genaue Argumentation) Unterschiede im *Denken* abzuleiten.

Cordelia Fine bringt Ordnung in die ganze sexistische Unordnung. Sie macht deutlich, dass nichts dergleichen bewiesen ist. Auch nicht im Durchschnitt (oder an der Spitze). Sie deckt all die kleinen (und großen) Fehler auf, die passieren, wenn man zeigen will, dass Männer und Frauen (durchschnittlich) im Denken genetisch verschieden sind. Und zeigt auch, dass wir auf unserem Wissensstand einen solchen genetischen Unterschied gar nicht beweisen könnten (selbst wenn es ihn gäbe).

Cordelia Fine hat mir mit diesem Buch absolute Erleichterung verschafft. Einerseits hat sie meine Zweifel daran, dass es (wissenschaftlich signifikante) kognitive Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, bestätigt und andererseits gibt es mir alles an die Hand, was ich brauche, um konstruktive Kritik an sexistischen Vorstellungen üben zu können.

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