Am grünen Rande der Welt- die feministische Version des klassischen Jane Austen Films?

Filmkritik zu Thomas Vinterbergs erstem Kostümfilm basierend auf Tom Hardys Roman von 1891

*Achtung, dieser Text enhält Spoiler*

Die weibliche Heldin Bathsheba erbt den Guthof ihres Onkels und versucht ein von Männern unabhängiges Leben zu führen. Der feministische Untertitel des Films ist nicht nur subtil erkennbar sondern zeigt sich bereits in einer der ersten Szenen. Bathsheba reitet anstatt in dem zu der Zeit üblichen Damensitz lieber so wie es für Männer üblich ist und gibt sich auch sonst nicht mit einer untergeordneten Stellung zufrieden. Sie handelt selbst auf dem Markt Preise aus und packt bei der Arbeit auf der Farm mit an. Drei sehr verschiedene Männer wollen ihre Gunst erwerben und halten der Reihe nach um ihre Hand an. Der treue Schäfer Gabriel (was für eine Nameswahl), der ältliche Gutsbesitzer und der junge Soldat Troy verkörpern verschiedene Arten von Männern.

„Es ist nicht einfach für eine Frau, ihre Gefühle in einer Sprache auszudrücken, die vor allem von Männern für Männer gemacht ist“, das sind ihre Worte. Doch nicht nur der Ausdruck macht Schwierigkeiten sondern auch das Verstehen der Sprache der Männer. So wählt sie schließlich den jungen Soldaten Troy, dem es weniger um sie als um ihr Geld und ihre Jungfräulichkeit geht. Das ist für Bethsheba, die noch nie geküsst wurde, ungewohnt verlockend. Hier zeigt sich der Unterschied zu dem typischen Jane Austen Film: Obwohl die Heldin einen eindeutigen Fehltritt begeht, wird sie trotzdem nicht bestraft. Soviel ist gesagt: Am Ende gibt es sogar ein Happy End.

Insgesamt hat der Film bei mir nach einm anfänglichen Gefühl der Eingelulltheit einen merkwürdigen Nachgeschmack hinterlassen – ja für seine Zeit ist das wohl durchaus ein Buch gewesen, dass die damals gängigen Rollenklischees hinterfragt und nicht akzeptiert. Inzwischen sind aber fast 120 Jahre vergangen und trotzdem sind viele der in diesem Film dargestellten Motive auch in modernen Serien oder auch im alltäglichen Leben wiederzufinden. Das Motiv von dem Prinzen, auf den die Frau warten muss um glücklich werden zu können. Da sie alleine anscheinend nicht in der Lage ist zu leben. Oder wenn sie überlebt, dann nicht glücklich. Die armen Männer, die nur auf die Entscheidung der Frau hoffen.

Dieses idealisierte Lebenskonzept macht nicht nur vielen Frauen, die ich kenne zu schaffen sondern ich kenne genauso viele Männer, die eigentlich ein erfülltes Leben haben, die aber durch den gesellschaftlichen Druck das Bedürfnis verspüren eine Partnerin zu erobern und in den „sicheren“ Hafen der Ehe zu führen. Die ganze Sache belastet also alle Menschen gleichermaßen.
In diesem Film helfen auch die schönen Kostüme, die hübschen Darsteller und die zahlreichen (leider teils animierten) Landschaftsaufnahmen nicht den faden Beigeschmack zu vertreiben. Warum diese Geschichte erneut verfilmt wird, bleibt rätselhaft- oder folgt einfach dem in Hollywood üblichen Trend lieber eine Fortsetzung oder ein Remake zu machen als eine eigene Geschichte zu erzählen.

Fazit: Bedingt empfehlbar

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